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Revitalisierung von Supermärkten
Supermärkte müssen heute zur Klimatisierung Lösungen einsetzen, die flexibel, wirtschaftlich und zukunftssicher zugleich sind. Die Gebäudetechnik entwickelt sich dabei immer stärker zu einem entscheidenden Erfolgsfaktor – vorausgesetzt, sie ist ganzheitlich gedacht und perfekt aufeinander abgestimmt. Kai Lücke, Leiter Projekte Air Handling Units bei WOLF, Mainburg, erläutert die Herausforderungen der Branche und den Weg zu nachhaltigen Lösungen.
1. Die deutschen Lebensmittelketten erfinden sich gerade neu. Nicht nur die Einrichtung der Märkte wird immer hochwertiger, auch beim Thema Dekarbonisierung wird kräftig investiert. Wohin geht die Reise bei der Lüftungstechnik?
Kai Lücke:
In großzügig gestalteten Märkten gewinnt auch die Lüftungstechnik an Bedeutung, denn sie ist integraler Bestandteil nachhaltiger Marktstrategien, die ökologische Verantwortung mit angenehmer Aufenthaltsqualität verbinden. Lüftungstechnik wird damit zum wichtigen Baustein moderner, zukunftsfähiger Einzelhandelskonzepte. Sie reduziert sowohl den Heiz‑ als auch den Kühlenergiebedarf und ermöglicht so substanzielle Einsparungen – im Neubau ebenso wie in Bestandsgebäuden.
2. Welche Anforderungen stellen Supermärkte generell an die Lüftungstechnik?
Kai Lücke:
Die Zielgrößen sind niedrige CO₂‑Emissionen hohe Energieeffizienz – beide auch gleichzusetzen mit niedrigen Energiekosten – und ein stabiles, zugfreies Temperatur‑ und Feuchteprofil über alle Zonen hinweg. Das betrifft sowohl Flächen im eigentlichen Supermarkt, aber auch die Konzessionäre. Zum Beispiel darf eine Apotheke vom benachbarten Döner-Imbiss nicht beeinträchtigt werden und der Kassenbereich stellt andere Anforderungen als zum Beispiel die Frische oder eine Fleischtheke. Da die Gewerbekälte der größte Stromverbraucher im Markt ist und ein Supermarkt in Temperaturzonen organisiert ist, muss die RLT‑Technik eng mit der Kältetechnik verzahnt werden. Anpassungsfähige Lösungen berücksichtigen auch die im Tages- und Wochenverlauf stark schwankende Besucherfrequenz mit wechselnden Anforderungen an das Heizen bzw. Kühlen und die Frischluftzufuhr. Normativ sind v. a. VDI 2082 (Verkaufsstätten), VDI 6022 (Hygiene) und VDI 3803 (bauliche/technische Anforderungen) leitend.
3. Es kann nicht unbegrenzt auf der sprichwörtlichen „grünen Wiese“ neu gebaut werden. Welche Herausforderungen schultert der Handel im Bestand, wenn Gewerbeimmobilien revitalisiert werden?
Kai Lücke:
Die F-Gase-Verordnung führt dazu, dass – wie von der EU beabsichtigt – etablierte Kältemittel mit vergleichsweise hohem Global Warming Potential (GWP) nach und nach durch Low-GWP-Kältemittel vom Markt verdrängt werden. Dies stellt Hersteller und Betreiber von Klimasystemen vor die Herausforderung, dass die gesamte Technik auf dem Prüfstand steht. Viele Betreiber wollen nicht nur das Kältemittel wechseln, sondern dieses auch reduzieren und – wo möglich – Kältemittelleitungen aus dem Verkaufsraum heraushalten.
Werden aber zum Beispiel Waterloop-Systeme und geschlossene statt offene Kühlmöbel eingesetzt, arbeitet eine bestehende Lüftungsanlage in den meisten Fällen nicht mehr zufriedenstellend, da sich Raumluftparameter verschieben. Offene Regale mit doppeltem Kaltluftschleier erzeugen andere Luft- und Feuchtelasten als geschlossene Wandkühlregale mit Türen. Wird am Kühlregal nicht ausreichend entfeuchtet, beschlagen die Scheiben der Kühlmöbel und im TK-Bereich bildet sich zusätzlich Reif.
Zudem müssen Märkte mit stark variierenden Lasten umgehen: Sonneneinstrahlung kann dazu führen, dass bereits unter etwa +14 … +18 °C Außentemperatur zum Beispiel Heizbedarf im Kassenbereich entsteht, während andere Zonen gleichzeitig Kühlung benötigen.
Eine weitere Herausforderung kann sich aus der kommunalen Wärmeplanung ergeben, zum Beispiel ermöglichen Kalt- und/oder Warmwassernetze in Fernwärmevorranggebieten ganz neue Konzepte.
4. Gibt es ein sprichwörtliches Patentrezept für den Lebensmitteleinzelhandel, um diese Themen unter einen Hut zu bringen?
Kai Lücke:
Revitalisierung von Märkten bedeutet in der Regel eine Einzelfallbetrachtung. Generell ergeben sich im Bestand individuelle Herausforderungen durch die Statik und lokale Bauvorschriften sowie die Nachbarbebauung. Konkret auf die Lüftungstechnik bezogen gibt es ebenfalls keine Universallösung, denn die technische Ausgangslage in den einzelnen Märkten ist jeweils höchst unterschiedlich. In den letzten Jahren wurden in der Branche zum Beispiel technisch ausgereifte Lösungen parallel in vielen Märkten installiert. Diese „leiden“ jetzt oftmals unter der F-Gase-Verordnung. Es wurden aber in der gleichen Zeit (bis heute) auch innovative Pilotprojekte realisiert.
Aktuell ist das übergeordnete Ziel, eingesetzte elektrische Energie möglichst lange im System „arbeiten“ zu lassen, sprich, penibel auf Wärmerückgewinnung zu setzen.
5. Welche Rolle spielen ganzheitliche Konzepte bei den Entscheidern?
Kai Lücke:
Für Entscheider zählt zunehmend der langfristige Lebenszyklus: Märkte werden für die nächsten 40 Jahre geplant bzw. ertüchtigt, Nachhaltigkeit und Betriebskosten stehen dabei im Vordergrund. Systeme mit hoher Teillasteffizienz, modularer Skalierbarkeit, schneller Installation und geringer Komplexität im Betrieb werden bevorzugt. Ganzheitliche Konzepte denken daher Gebäudehülle, Kältetechnik, RLT‑Gerät, Regelung und Zonierung als ein durchgängig regelbares System.
Diese intelligenten Systemarchitekturen integrieren Wärme‑ und Kältespeicher, Türluftschleier, Klimadeckengeräte, Lüftungsanlagen und Verbundkälteanlagen in einen einzigen Regelverbund. Je mehr Systemkomponenten sensorgesteuert passgenau zusammenwirken, desto robuster ist das Gesamtkonzept. Bei einem Teilausfall einzelner Komponenten bleibt die Funktionalität insgesamt erhalten.
Ganzheitliche Konzepte trennen häufig die Funktionen Lüften und Kühlen, weil die Luftwechselraten zur Hygiene meist geringer sind als die Luftmengen zur Lastabdeckung. Dadurch können Lüftungsgeräte kleiner und effizienter ausgelegt werden, während dezentrale Systeme wie Gebläsekonvektoren die Raumkonditionierung übernehmen. Zunehmend übernehmen reversible Wärmepumpen mit natürlichen Kältemitteln die Funktion des Heizens und Kühlens. Sie können zudem die Abwärme aus Kühl- und Tiefkühlmöbeln, Bedientheken und Kühlräumen als Energiequelle nutzen. Werden Wärme und/oder Kälte gespeichert, können Leitungsspitzen besser abgefangen werden.
Hier ist insbesondere ein Vierleiter-Waterloop-System zur Auskopplung von Wärme aus der Gewerbekälte zu nennen. Die Abwärme der Kühlmöbel-Verdichter dient dann als gleichmäßig vorhandene Energiequelle für eine reversible Wärmepumpe. Diese ist in der Lage, entweder Warm- oder Kaltwasser bereitzustellen. In Pufferspeichern „gelagert“ steht den einzelnen Zonen auf diese Weise gleichzeitig Kälte und Wärme zur Verfügung. Auch kann zonenweise entfeuchtet werden.
6. Wie gehen Sie vor, wenn Sie Kunden bei der Revitalisierung beraten?
Kai Lücke:
Eine gute Beratung beginnt immer mit Zuhören und Verstehen, um die Anforderungen, Herausforderungen und Ziele unserer Kunden wirklich zu erfassen. Im nächsten Schritt entwickeln wir gemeinsam den passenden Lösungsansatz, der zu der entsprechenden Unternehmensphilosophie des Kunden passt, die neuesten technischen Entwicklungen und Trends miteinbezieht, um womöglich schlummerndes Potenzial aufzudecken. Als Systemanbieter für Heizung und Klima hat WOLF eine umfassende Auswahl an Komponenten, die zu ganzheitlichen und zukunftsfähigen Lösungen kombiniert werden können. So entstehen individuelle, genau auf einen Markt zugeschnittene Konzepte, die auch langfristig einen Mehrwert schaffen.
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RLT Produkte - Raumlufttechnik Lösungen | WOLF